Uptime & SLA: Was 99,9 % wirklich bedeuten
"99,9% Verfügbarkeit garantiert" – das lesen wir bei fast jedem Hosting-Anbieter. Aber was bedeutet das konkret? Und warum ist die Realität oft ernüchternd?
Die Mathematik der Verfügbarkeit
Zunächst die nackten Zahlen:
| SLA | Downtime/Monat | Downtime/Jahr | Verfügbarkeit |
|---|---|---|---|
| 99% | 7 Stunden 18 Min | 3 Tage 15 Stunden | 99,00% |
| 99,5% | 3 Stunden 39 Min | 1 Tag 19 Stunden | 99,50% |
| 99,9% | 43 Min 50 Sek | 8 Stunden 46 Min | 99,90% |
| 99,99% | 4 Min 22 Sek | 52 Min 36 Sek | 99,99% |
99,9% klingt gut – aber es bedeutet immer noch fast 9 Stunden Ausfall pro Jahr.
Was kostet dich ein Ausfall?
Für einen Online-Shop sind diese Zahlen kritisch:
| Umsatz/Tag | Kosten pro Stunde Ausfall | Kosten pro Tag Ausfall |
|---|---|---|
| 1.000 € | ~40 € | ~960 € |
| 10.000 € | ~400 € | ~9.600 € |
| 100.000 € | ~4.000 € | ~96.000 € |
Dazu kommen:
- Reputationsschäden: Kunden kommen nicht wieder
- SEO-Verluste: Google bestraft langsame/nicht verfügbare Seiten
- Support-Anfragen: "Warum ist eure Seite offline?"
Was ein SLA wirklich abdeckt
Was meistens abgedeckt ist:
- Ausfall des Servers (Hardware)
- Netzwerk-Probleme im Rechenzentrum
- Stromausfall (wenn USV/Generator ausfällt)
Was NICHT abgedeckt ist (oft Smallprint):
- Geplante Wartung: "Wir machen mal 2 Stunden Updates"
- DDoS-Angriffe: "Das war ein externer Angriff"
- Software-Fehler: "Das Problem liegt an deiner Anwendung"
- Support-Verzögerungen: "Wir melden uns in 24 Stunden"
- Höhere Gewalt: Naturkatastrophen, Streiks
Die Realität: SLA = Gutschrift, kein Schadenersatz
Hier ist der Haken: Die meisten SLAs garantieren nur eine Gutschrift auf die nächste Rechnung – nicht den tatsächlichen Schaden.
Beispiel: Du hast 100 € monatliche Serverkosten und 9 Stunden Ausfall (SLA 99,9% nicht erreicht). Die Gutschrift? Oft nur ein Bruchteil der Kosten.
Welche Uptime brauchst du?
99% (3,5 Tage/Jahr)
- Für Hobby-Projekte
- Blogs mit wenig Traffic
- Testumgebungen
99,5-99,9% (~4-40 Stunden/Jahr)
- Für kleine bis mittlere Online-Shops
- Business-Webseiten
- Die meisten Anwendungen
99,99% (~50 Min/Jahr)
- Für große E-Commerce-Plattformen
- Kritische Anwendungen
- FinTech/ Banking
99,999%+ (~5 Min/Jahr)
- Für极少数 spezialisierte Anwendungen
- Extrem hohe Kosten für Redundanz
Wie du die Verfügbarkeit selbst erhöhst
1. Redundanz auf Anwendungsebene
- Mehrere Server (Load Balancer)
- Datenbank-Replikation
- Automatisches Failover
2. Content Delivery Network (CDN)
- Statische Inhalte werden von Edge-Servern ausgeliefert
- Dein Server kann ausfallen, die Seite bleibt teilweise online
3. Monitoring & Alerts
- Nutze Dienste wie Pingdom, UptimeRobot
- Erkenne Probleme, bevor Kunden sie melden
4. Automatisierte Wiederherstellung
- Backups nicht nur für Daten, sondern für ganze Server
- Schnelles Deployment bei Problemen
Fazit
Der SLA ist ein guter Anhaltspunkt, aber kein Allheilmittel:
- Rechne nach: Was kostet dich ein Ausfall?
- Lies das Kleingedruckte: Was ist wirklich abgedeckt?
- Investiere in Redundanz: Mehrere Server, Backups, CDN
- Teste regelmäßig: Funktioniert das Failover wirklich?
Empfehlung: Für die meisten Shops sind 99,9% plus eigene Redundanz-Maßnahmen völlig ausreichend. Das echte Problem liegt meist nicht beim Hoster, sondern in der eigenen Architektur.
